Mit Herzblut für die Jugendherberge

Die Geschichte eines ehemaligen Herbergsleiters

 

von Alexander Müller

Viele Geschichten entstanden und entstehen immer noch in der Jugendherbergswelt.  Alexander Müller, ehemaliger Herbergsleiter der Jugendherbergen Frauenstein und zuletzt Johanngeorgenstadt, teilt mit uns seine Erinnerungen:
„Unsere Familie wohnte um 1959 in Frauenstein und ich ging damals in die 3. Klasse. Die Jugendherberge war uns Kindern natürlich bekannt. Anfang der 60-er Jahre, wir waren vielleicht in der 5.- oder 6. Klasse, kamen fast wöchentlich auf unserem Bahnhof der Kleinbahnstrecke Klingenthal/Colmnitz-Frauenstein ausländische Gruppen an, die ein paar Tage in der Jugendherberge blieben. Diese Jugendherbergsgäste kamen aus den verschiedensten Ländern: Ungarische Volksrepublik, aus verschiedenen Ländern der Sowjetunion, Mongolei, Rumänien, Bulgarien, Polen und viele andere osteuropäische Länder. Diese Gruppen kamen damals von der Jugendherberge Augustusburg und waren auf dem Weg nach Frauenstein und von dort aus weiter nach Sayda. Möglicherweise besuchten sie noch andere Herbergen auf ihrem Weg. In Frauenstein kamen sie abends etwa 18:30 mit dem Zug an.

Wir Schulkinder begrüßten die Gruppen sehr gastfreundlich mit organisierten Blumensträußen und begleiteten sie vom Bahnhof zur Jugendherberge. Im Foyer der Jugendherberge Frauenstein fand dann die offizielle Begrüßung durch den damaligen Herbergsleiter Erich Rudolf und seinem Assistenten statt.  Auch wir Kinder bekamen immer kleine Gastgeschenke von unseren ausländischen Besuchern. Das waren Geldmünzen, Ansichtskarten, Abzeichen und andere Kleinigkeiten, über die wir uns sehr gefreut haben. 

Natürlich waren wir als Schulklasse auch in Jugendherbergen unterwegs. Wir waren in der Jugendherberge Ehrenfriedersdorf bei den Greifensteinen, in der Jugendherberge Sayda, Biberstein, Altenberg-Zinnwald. Zur Abschlussfahrtgig es in die sächsische Schweiz in die Jugendherberge Burg Hohnstein. (Anmerkung der Red.: Biberstein und Burg Hohnstein geschlossen).  Ich habe daran nur gute Erinnerungen. Wir haben viel unternommen, waren wandern, besuchten Museen und lernten die Natur kennen. Die Übernachtung in den Mehrbettzimmern mit den Doppelstockbetten war schon ein Erlebnis: Jeder wollte oben schlafen. (Eigentlich wollten wir ja gar nicht schlafen, doch die Müdigkeit überkam uns.) Das gemeinsame Essen mit den Mitschülern war natürlich ganz anders als zu Hause. Das mitgebrachte Essbesteck mussten wir selbst säubern. Einige Schüler hatten „Abtrockendienst“.  Auch das Beziehen der Betten war gar nicht so einfach.  Es war für uns alle eine unvergessliche Zeit.
Damals ahnte ich noch nicht, dass ich später selbst einmal die Jugendherberge in Frauenstein und dann in Johanngeorgenstadt leiten würde.“

Mit viel Herzblut und Hingabe sind Sigrun und Alexander Müller für Sachsens Jugendherbergen Frauenstein und Johanngeorgenstadt  tätig gewesen.  Vielen Dank, Alexander Müller, für die Erinnerung an Ihre Jugendherbergsgeschichte.