6. April 2019

Frühlings-Fest in der Jugendherberge Bad Lausick / Buchheim 

Ein wunderschöner Samstag im April bot in Bad Lausick die perfekte Kulisse für das erste von insgesamt drei Jubiläumsfesten der Jugendherbergen in Sachsen. Auf 100 Jahre ihres Bestehens blicken diese 2019 zurück. Gleichzeitig wird die Jugendherberge Bad Lausick im Ortsteil Buchheim stattliche 90 Jahre alt. Grund genug, beide Jubiläen gebührend zu feiern! Strahlend blauer Himmel, Sonne und ein kühles Getränk – was will man mehr an einem fast sommergleichen Frühlingstag?

Die Spannung vor dem Fest

Schon Monate zuvor sind die Veranstalter des Frühlingsfestes und ihre Partner in großer Aufregung: Wo soll der Ausschank der Getränke erfolgen? Wer übernimmt die musikalische Begleitung? Und vor allem: Wer backt das leckere Holzofenbrot aus der Jugendherberge Bad Lausick? Fragen über Fragen, um die alle Beteiligten unablässig kreisen. „Nebenbei“ ist solch ein Fest eben nicht organisiert.
Am Tag vor dem Fest reisen die Helfer an. Sack und Pack werden im Hof von Hänger und Co. abgeladen und das Equipment aufgebaut. Nach dem Motto „viele Hände, schnelles Ende“ hilft hier jeder jedem. Doch die Zeit rast und der Aufbau zieht sich. Die Hüpfburg muss platziert, Zelte und Pavillons aufgebaut und viel Dekoration im Haus und auf dem Gelände angebracht werden. Unseren Respekt verdient sich insbesondere das Team um die Herbergsleitung. Satte Familienpower ist hier angesagt! Die langjährigen "Herbergseltern" Silvia Steinbach, Leiterin der Jugendherberge Bad Lausick, und ihr Mann Stefan Steinbach, Leiter der benachbarten Jugendherberge Schloss Colditz, sind ein eingespieltes Team mit viel Erfahrung und Nerven aus Stahl. Und sie werden Jahr für Jahr bei solchen Aktionen tatkräftig von ihren beiden Töchtern unterstützt. Das imponiert uns und zeigt, dass das Motto „Gemeinschaft erleben“ hier vor Ort tatsächlich gelebt wird.


In den Startlöchern

Um sechs Uhr morgens durchziehen dichter Nebel und eine nasse Kälte den Ort Buchheim. Durch das gekippte Fenster unseres Jugendherbergszimmers dringt der Ruf eines frühen Vogels herein. Im Hof tönen Stimmen und man kann unschwer heraushören, dass die ersten Helfer schon daran sind, weiter aufzubauen. Ein Blick aus dem Fenster macht klar: Ja, das Rednerpult steht schon bereit. Der Endspurt beginnt! Nach der kurzen Nacht wird es Zeit, sich den Schlafsand aus den Augen zu reiben, sich fertig zu machen und die letzten Handgriffe für die Eröffnung vorzunehmen. Der Blick hinauf zum Himmel lässt hoffen, dass die Sonne bald den feinen, frischen Sprühnebel verschwinden lässt.
Bevor es aber wieder richtig losgeht, ruft Herbergsmutti Silvia Steinbach zum gemeinsamen Frühstück um 07:30 Uhr. Ein guter Start in den Tag ist wichtig. Frisches Obst, heißer Tee und Kaffee, Müsli, Joghurt und frische Brötchen mit einer breiten Auswahl an Käse und Wurst stärken die Helfer und Mitarbeiter der Jugendherberge für diesen aufregenden Tag. Das Küchenteam der Jugendherberge Bad Lausick geizt nicht mit seinem Talent für köstliche Verpflegung. Ein Gast hat sich unter die Mitarbeiter und Helfer gemischt. Walter Tiroke, langjähriges DJH-Mitglied und bekanntes Gesicht in zahlreichen Jugendherbergen weltweit, sitzt mit am Frühstückstisch und plant seine nächste Radtour nach Grethen und Rochlitz. Bei Tee, frischem Obst und einem Marmeladenbrot schwatzen wir mit ihm über den bevorstehenden Tag und seine Ziele. „Sind Sie auch heute beim Fest dabei?“, fragen wir ihn. „Natürlich, das lasse ich mir doch nicht entgehen!“, antwortet er. „Ich habe den Trubel hier schon beobachtet und bin gespannt, was das Team auf die Beine gestellt hat.“ 


Endlich geht es los!

Ab neun Uhr folgen die ersten Gäste der Einladung zum Fest. Der Präsident des Deutschen Jugendherbergswerkes e. V., Prof. Dr. Günther Schneider, sowie der geschäftsführende Vorstand des Landesverbandes Sachsen, Thomas Mauersberger, lassen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Ines Lüpfert, 2. Beigeordnete des Landrates des Landkreises Leipzig, sowie Manfred Hönig, 1. stellvertretender Bürgermeister von Bad Lausick, das Fest mit feierlichen Ansprachen zu eröffnen. Silvia Steinbach dankt in ihrer anschließenden Rede vor allem den jahrelangen Partnern für die wunderbare Zusammenarbeit und ihren Stammgästen, die immer wieder gern zu ihr in die Jugendherberge Bad Lausick kommen, für ihre Treue. Zu diesen Stammgästen zählen die Feuerwehr Bad Lausick und deren Jugendgruppen, welche die Festlichkeiten im Ort mit unterstützen. Nicht zuletzt erinnert sie dankbar an die Umsetzung der Neugestaltung des Außengeländes mit Hilfe des EPLR (Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen). Begleitet von einer Performance des Markkleeberger Fanfarenzuges lässt nun auch die Sonne nicht mehr auf sich warten. Welch wunderbarer Zeitpunkt! Das Fest ist eröffnet!

Jubel, Trubel, Spiel und Spaß!

Zahlreiche Kollegen aus den umliegenden und auch weiter entfernten Herbergen wie Radebeul, Leipzig und Frauenstein nutzen die festliche Gelegenheit und statten der Jugendherberge Bad Lausick einen Besuch ab. Sehr herzlich gratulierten sie Silvia Steinbach und ihrem starken Team zum 90-jährigen Jubiläum. Kind und Kegel sind jeweils mit dabei und freuen sich auf die Gemeinschaft bei Spiel und Spaß. Bei einer Grillwurst, einem leckeren Beeren-Smoothie und gesunden Snacks für zwischendurch kann man solch einen sonnigen Tag wahrlich genießen. Mit vor Ort sind auch die Jugendherbergen Hormersdorf, Plauen und Falkenhain, die an diesem Tag dem Team der Jugendherberge Bad Lausick unterstützend zur Seite stehen und sich den Gästen auch selbst vorstellen. Die Jugendherbergen Altenberg-Zinnwald und Frauenstein haben ihr Biathlon mitgebracht. Gibt es Biathlon nicht nur im Winter bei Schnee? „Nein, das kann man immer machen“, meint René Dreihardt, Leiter der beiden Herbergen, der gemeinsam mit seiner Familie angereist ist und ebenfalls mit anpackt.

Mit viel Action und Körpereinsatz geht es im „Health Flyer“ der Jugendherberge Hormersdorf an ein zünftiges Astronautentraining. Kreuz und quer wird der ganze Körper herumgewirbelt und dabei mächtig beansprucht. Wem das noch nicht genug Action ist, der kann im Formel-1-Simulator VVE Konzept über die Piste brettern und sich wie Rennfahrer Vettel fühlen oder beim ADAC Fahrradturnier sein Können unter Beweis stellen. Die Highlights der ganz kleinen Gäste sind hingegen das Kinderschminken, das Gestalten mit Ton mit Wolfram Boden aus Colditz, Kreatives Basteln mit Peter’s BastelfixNaturschutzstation Birkenhain, Gesellschaftsspiele mit dem Spieleinstitut aus Chemnitz sowie die Hüpfburg. Schuhe aus und reinspringen! Die neidischen Blicke der großen Gäste sind dabei kaum zu übersehen. Wer würde nicht auch gern einmal … Vielleicht nur ganz kurz …? 

Besonderes Geschick, Konzentration und eine gute Körperspannung scheinen beim Segway-Fahren erforderlich. Recht schnell aber erweist sich dieses „Kultgefährt“ als leicht handelbar und sogar die Jüngsten beweisen ihr Talent und lassen so manchen Erwachsenen alt aussehen. Enge Kurven hier, Slalom-Strecke da, rückwärts fahren und einmal rechts umlenken … es sieht so einfach aus. Und wir verraten euch: Nach einer Übungsrunde ist es das auch! ;) Unser Dank geht hier an ATD-Mobility im Röhrsdorfer Hof in Chemnitz für die Unterstützung. Eigene Talente herausfinden kann man zudem bei Urban Sports und Graffiti. Einfach das tun, was Spaß macht, und den eigenen Horizont erweitern, lautet die Devise. Das Team von Urban Sports von Eduventis - Hero Society aus Leipzig ist regelmäßig zu Gast in der Jugendherberge Bad Lausick und veranstaltet coole Workshops für Klassen verschiedener Stufen. 

Beim „Origami-Kusudama“-Workshop erwarten die Besucher Techniken, mit denen man aus Papier wunderschöne Figuren falten kann. Stefan Steinbach ist leidenschaftlicher Origami-Künstler und führt den Workshop in der Jugendherberge Schloss Colditz selbst durch. „Ich zeige den Teilnehmern nicht nur die ‚08/15‘-Sterne. Wir machen hier richtige einzigartige Kunststücke mit Verzierungen und verschiedenen Farben.“ Bei einer Schnupperstunde im Origami-Workshop spüren die Teilnehmer die tiefe Entspannung, die sich beim Falten einstellt, und vergessen die Welt um sich herum für einen Moment. Das ist der tolle Nebeneffekt der japanischen Papierfaltkunst, die sich auch in Europa immer größerer Beliebtheit erfreut. Oft sind es eben die kleinen Dinge, die das Leben besonders bereichern. 

Doch auch die Jugendherberge Bad Lausick selbst zählt zu den Attraktionen dieses Tages. Bei einer Hausführung können sich die Besucher von den geschmackvollen Räumlichkeiten und vielfältigen Angeboten einer modernen Jugendherberge überzeugen. „Oh, das ist ja gar nicht mehr wie damals“, raunt es hier und da erstaunt. „Und für Familien? Gibt es da auch Zimmer?“, hört man verwunderte Gäste fragen. Ein Mitarbeiter des Herbergsteams öffnet die nächste Tür in ein geräumiges Zimmer mit Dusche und WC. Darin zu sehen: zwei Einzelbetten und etwas abgetrennt ein Stockbett – perfekt geeignet für Familien. Viele Fragen kann man am besten vor Ort beantworten. Wenn ihr also mal in der Nähe einer Jugendherberge seid, kommt einfach vorbei!


Es wird persönlich: Erinnerungen und Geschichten

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Jugendherbergen in Sachsen sind beim Fest auch besondere Erinnerungen und Geschichten gefragt. Am Stand des Landesverbandes Sachsen e. V. herrscht deshalb eine tolle Stimmung, man unterhält sich über die witzigsten Jugendherbergs-Klischees, es wird gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Ein Weihnachtsfest gehört dazu, das wohl in der Jugendherberge gefeiert wurde. Viele Erinnerungen an Erlebnisse mit Stammgästen hat auch René Dreihardt mitgebracht. Er berichtet vom neuen Badezuber auf dem Außengelände in Frauenstein, der zum Einstand eine eigene Geschichte hervorbrachte, die René Dreihardt wohl immer Erinnerung bleiben wird. „Wir haben einmal am Vormittag das gefrorene Wasser im Zuber angefeuert und dachten, dass wir es am späten Nachmittag nutzen können und es dann in etwa Körpertemperatur hat. Das Feuer hatte aber so viel ‚Bums‘, dass wir sogar noch literweise kaltes Wasser zugeben mussten, so heiß war es“, lacht er. „Jetzt wissen wir, dass wir auch spontan einheizen können.“


Alles hat ein Ende

Nach so viel Action, Musik der Disco Karthago und Leckereien neigt sich der Festtag dem Ende zu. Die Kinder sind ausgepowert und müde, die Gäste verlassen nach und nach das Gelände. Die am Morgen noch herbeigesehnte Sonne drückt und beim nun beginnenden Abbau tritt so manche Schweißperle hervor. Doch zuvor noch eine letzte Segway-Runde über das Gelände drehen, denn mittlerweile können wir uns auch ohne helfende Stütze fortbewegen, sowie noch einmal das Kribbeln im Bauch im „Health Flyer“ spüren! Und bevor wirklich alles abgebaut wird, lassen wir es uns nicht nehmen und nutzen die Chance, die Hüpfburg zu erklimmen. Für das Team heißt es also: Schuhe aus und hüpfen! Noch einmal Kind sein! Herrlich! Schnell aber merken wir, dass der Körper doch nicht mehr mit dem Kind im Geiste korrespondiert. Noch eine letzte Minute auf den Wogen des Luftbettes ausruhen, bevor es zum Abbau-Endspurt geht und die Luft aus der Hüpfburg herausgelassen wird. So schön kann ein Tag enden.

Wir freuen uns schon auf das nächste Fest und laden euch recht herzlich am 30. Juni 2019 in die Jugendherberge Grumbach zum Bergwiesenfest ein.